VERÖFFENTLICHUNGEN
DES
HISTORISCHEN VEREINS FÜR NIEDERSACHSEN
1835-2010

 
 
 
 

Die Veröffentlichungen des Vereins können bezogen werden über den Verlag Hahnsche Buchhandlung Hannover. Vereinsmitglieder erhalten einen Preisnachlass in Höhe von 25% bzw. 30% auf den Buchhandelspreis. Eine Gesamtveröffentlichungsliste für den Zeitraum seit der Gründung des Vereins im Jahre 1835 steht dort als Download zur Verfügung (Gesamtveröffentlichungsliste 1835 - 2004). Lieferbare Veröffentlichungen sind darin gekennzeichnet.

 

Hier können sie die Liste mit den Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Niedersachsen in PDF-Format Downloaden.

Gesamtveröffentlichungsliste.pdf
 

Sollten sie nicht über die Abrobat Reader®-Software verfügen, hier geht es zum kostenlosen Download.

Download Abrobat Reader®


 

Der Verein gibt folgende Zeitschriften heraus, die den Mitgliedern bei Erscheinen kostenlos zugehen:

 
      Jahrbuch für Niedersächsische Geschichte     Hannoversche Geschichtsblätter
 

Er veröffentlicht wissenschaftliche Arbeiten in der fortlaufenden Reihe

  • Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens

Darin sind zuletzt erschienen:

 

Band 132

Eva Schlotheuber/ Birgit Emich/ Wolfgang Brandis / Manfred von Boetticher (Bearb.)
Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg 1510-1558 (Tagungsband)
Herrschaft - Konfession - Kultur

Herzogin Elisabeth von Calenberg war eine vielschichtige Persönlichkeit: Je nach Blick-winkel sah man in ihr vor allem die Regentin, die Reformatorin oder die Schriftstellerin. Durch die von ihr im Jahr 1542 erlassene erste evangelische Klosterordnung gilt sie überdies als die "Begründerin" der Klosterkammer Hannover. 1510 geboren, wuchs sie in einer Umbruchzeit auf. An der politischen und religiösen Neuordnung jener Jahre war sie aktiv beteiligt, und so spiegelt ihre Geschichte zugleich das Schicksal der Protestanten in der für die Reformation im Reich entscheidenden Phase um die Jahrhundertmitte wider. Auch als Schriftstellerin griff sie die großen Fragen und Herausforderungen ihrer Zeit auf und schrieb sich damit in alle wichtigen Diskurse ein: in die Neuformierung der Fürstenherrschaft, in die Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse in der Zeit der Konfessionalisierung, in die Neuformulierung tradierter weiblicher Rollenmodelle. Weil in der Persönlichkeit und in dem Wirken der brandenburgisch-welfischen Fürstin zentrale Aspekte frühneuzeitlicher Geschichte zusammentreffen, erschien eine modernen methodischen Ansprüchen genügende Würdigung Elisabeths von Calenberg als wünschenswert und notwendig eine, die ihr Wirken in einen breiten historischen und kulturellen Kontext einzuordnen vermag. So stand und steht die Herzogin in der Landesgeschichte, durchaus nicht unumstritten, für eine energische, aber letztlich zumindest teilweise gescheiterte Territorialherrschaft. Die Reformationsgeschichte hebt die mit ihrem Namen verbundene tragfähige Kirchen- und Klosterordnung hervor, die Literaturgeschichte befasste sich mit Textgattungen und Textstruktur von Elisabeths Werken sowie mit ihrem Rollenverständnis und ihren Legitimationsstrategien als Autorin. Der Umgang mit der Geschichte Elisabeths von Calenberg über nahezu 200 Jahre hinweg zeigt, dass die Regentin immer wieder zur Projektionsfläche für das Selbstverständnis der jeweiligen Zeit wurde: Die pro-preußische Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts entdeckte die Herzogin ebenso für sich wie die moderne Frauen- und Genderforschung. Den Wert der verschiedenen Arbeiten beeinträchtigt das nicht. Es bestätigt vielmehr, welch vielschichtige Persönlichkeit Elisabeth von Calenberg gewesen sein muss. Die Herausgabe eines Tagungsbandes in der Reihe der "Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens" ist etwas Ungewöhnliches. Der Historische Verein für Niedersachsen hat sich in diesem Fall dafür entschieden, da das von der Klosterkammer Hannover vom 24. bis 26. Februar 2010 veranstaltete wissenschaftliche Symposium "Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg (1510-1558), Herrschaft - Konfession - Kultur" einer Persönlichkeit gewidmet war, die wesentlich mit dem niedersächsischen Raum in Verbindung gebracht wird, deren Wirken aber weit darüber hinausgeht.

Verlag Hahnsche Buchhandlung Hannover

345 S. | 21 Abb. | 2011 | ISBN: 978-3-7752-5933-0
Gebunden | Preis: € 39.00


Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg 1510-1558
 

Band 130

JÜRGEN HUCK
Die BOCK VON WüLFINGEN
2. Teil: Wachsen seit 1583
1. Halbband: Allgemeines sowie Linie Bockerode
2. Halbband: Linie Elze, Quellen und Stammtafeln

Jürgen Huck führt mit diesem imposanten Werk die Geschichte der traditionsreichen Familie der Bock von Wülfingen vom Jahr 1583 bis in die Gegenwart fort. Am Anfang des zweiten Teils der Familiengeschichte steht eine Einführung zur Kennzeichnung des Geschlechts, die unter anderem Familiennamen und Heiratskreise erläutert. Die Stellung der Frauen, Bildung und Berufe, kirchliche Beziehungen und anderes mehr kommen ebenso zur Sprache wie Lehen.
Den Kern des Buches bilden zahlreiche Lebensbilder der Bock von Wülfingen in den verschiedenen Linien Bockerode und Elze bis in die heutige Zeit. Dabei stellt Jürgen Huck immer wieder Bezüge zu den großen geschichtlichen Ereignissen - 30jähriger Krieg, Personalunion zwischen Hannover und Großbritannien, napoleonische Herrschaft oder Machtverlust der Welfen - her. Besonders anschaulich wird auch die "Verbürgerlichung" der Familie im Lauf des 19. Jahrhunderts.
Ein umfangreiches Quellenverzeichnis, Personen- und Ortsregister ergänzen den Band und machen die Fülle des verwerteten Materials gut zugänglich. Die Beigabe von 23 Stammtafeln erleichtert dem Leser die Orientierung in der weitverzweigten Familiengeschichte.
Durch die überörtliche Bedeutung dieser alten Familie ist die Entwicklung der Bock im Rahmen der Landesgeschichte von besonderem Interesse.

Verlag Hahnsche Buchhandlung Hannover

1438 S. | einf. Abb. und 23 Stammtafeln, 2 Bände nur zusammen erhältlich | 2010 | ISBN: 978-3-7752-5931-6
Gebunden | Preis: € 69.00


JÜRGEN HUCK, Die BOCK VON WüLFINGEN
 

Band 129

WALTHER MEDIGER / THOMAS KLINGEBIEL
Herzog Ferdinand von Braunschweig-Lüneburg und die alliierte Armee im Siebenjährigen Krieg (1757-1762)

Herzog Ferdinand von Braunschweig (1721-1792) hat einen wesentlichen Beitrag zum Ausgang des Siebenjährigen Krieges geleistet. Als Oberkommandierender der alliierten britischhannoverschen Armee gelang es ihm von 1758 bis zum Ende des Krieges, die Franzosen daran zu hindern, von Westen her auf den Kriegsschauplatz zwischen Schlesien und Böhmen vorzudringen. Dies war eine wichtige Bedingung dafür, dass sich Preußen als europäische Macht von Rang etabliert hat.
Ein solches Ergebnis war keineswegs absehbar. Ferdinand hatte das Kommando im Spätherbst 1757 in verzweifelter Lage übernommen. Sein Vorgänger, der Herzog von Cumberland, hatte bei Hastenbek eine empfindliche Niederlage erlitten. Der Ausbildungsstand und die Ausrüstung der Soldaten waren schlecht, die Zusammensetzung der Truppen aus zuletzt sieben Kontingenten (Hannover, England, Preußen, Hessen-Kassel, Braunschweig, Bückeburg und Sachsen-Gotha) erschwerte eine einheitliche Führung. Zahlenmäßig waren die Franzosen weit überlegen. Dass Ferdinand sich trotzdem behaupten konnte und mehrere glänzende Erfolge erzielte, ist Ausdruck seiner bemerkenswerten Fähigkeiten.
Walther Mediger hat der Forschung über das Leben Ferdinands mehrere Jahrzehnte gewidmet, immer wieder unterbrochen durch andere wissenschaftliche Arbeiten. Seine ursprüngliche Absicht, eine breit angelegte Biografie des Herzogs von Braunschweig, konnte er nicht mehr verwirklichen. Das Manuskript lag bei seinem Tod lediglich in einer Rohfassung vor. Thomas Klingebiel hat durch umfangreiche formale und inhaltliche Bearbeitung dafür gesorgt, dass das Werk veröffentlicht werden konnte. Er hat unter anderem die unvollständige Darstellung des Feldzugs 1761 zu Ende geführt und die fehlende Schilderung des Feldzugs 1762 neu eingefügt.

Verlag Hahnsche Buchhandlung Hannover

1112 S. | 2011 | ISBN: 978-3-7752-5930-9
Geb. | Preis: € 59.00


WALTHER MEDIGER / THOMAS KLINGEBIEL, Herzog Ferdinand von Braunschweig-Lüneburg und die alliierte Armee im Siebenjährigen Krieg (1757-1762)
 

Band 131

MATTHIAS FREDERICHS
Niedersachsen unter dem Ministerpräsidenten Heinrich Hellwege (1955-1959)

Matthias Frederichs untersucht in seiner Studie die niedersächsische Regierungspolitik unter dem Ministerpräsidenten Heinrich Hellwege (1955-1959). Im Mittelpunkt stehen sowohl biographie- und landesgeschichtliche als auch parteien- und parlamentsgeschichtliche Anliegen. Hellwege, der von 1946 bis 1961 Vorsitzender der an die Tradition der Welfenbewegung anknüpfenden Niedersächsischen Landespartei (NLP) bzw. Deutschen Partei (DP) war, konnte 1955 trotz eines Stimmenanteils von nur 12,4 Prozent für seine Partei Niedersächsischer Ministerpräsident und damit Nachfolger von Hinrich Wilhelm Kopf werden. Sein erstes Kabinett nach Vorbild der Bonner Regierungskoalition scheiterte jedoch bereits nach zwei Jahren an seiner inneren Zerrissenheit, woraufhin Hellwege kurzerhand eine Große Koalition aus DP, CDU und SPD bildete. Doch was führte überhaupt zu der Entscheidung, gerade Heinrich Hellwege zum Regierungschef zu wählen und wie viel programmatische Kontinuität bestand zwischen alter und neuer Regierungspolitik? Für welche (nachhaltigen) landespolitischen Entscheidungen bzw. Programme steht die Amtszeit?
Und schließlich: Gilt mit dem Regierungswechsel 1955 die Gründungs- und Konsolidierungsphase Niedersachsens als abgeschlossen oder greift auch hier die Beobachtung einer im bundesweiten Vergleich "verzögerten Normalisierung"? Dem Autor ist es gelungen, ein bislang von der landesgeschichtlichen Forschung wenig behandeltes Thema schlüssig und detailgetreu zu rekonstruieren. Die Studie widmet sich neben den eigentlichen Regierungsbildungsprozessen vor allem auch ausgewählten inhaltlichen Themen. Sie liefert damit ein erstes Gesamtbild der Regierungszeit Hellweges in Niedersachsen.

Verlag Hahnsche Buchhandlung Hannover

255 S. | 16 Abb. | 2010 | ISBN: 978-3-7752-5932-3
Geb. | Preis: € 29.00


MATTHIAS FREDERICHS, Niedersachsen unter dem Ministerpräsidenten Heinrich Hellwege (1955-1959)
 

Band 128

ULF WENDLER
Nicht nur Pest und Pocken
Zur Bevölkerungsgeschichte der Lüneburger Heide, des Wendlandes und der Marschen des Fürstentums Lüneburg 1550-1850

Die Studie beschäftigt sich mit der Bevölkerung des Fürstentums Lüneburg bzw. der Landdrostei Lüneburg zwischen 1550 und 1850. In der Lüneburger Heide, dem Wendland und den angrenzenden Marschen, welche das Fürstentum bildeten, fanden in diesen dreihundert Jahren Veränderungen statt, die das Leben der Menschen unter neue Vorzeichen stellten. Die Umgestaltungen betrafen nicht nur das Fürstentum Lüneburg, sondern lassen sich in weiten Teilen des frühneuzeitlichen Europa bzw. -zeitlich versetzt- auch anderen Regionen beobachten.
Ulf Wendlers Untersuchung beschreibt, wie sich die Bevölkerungszahl und das demographische System in Stadt und Land seit 1550 entwickelten. Seine Langzeitstudie reicht bis in die Mitte des 19.Jahrhunderts, als Agrarreformen und beginnende Industrialisierung die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in der Landdrostei Lüneburg tiefgreifend veränderten.

338 S. | mit über 170 einf. Karten, Grafiken u. Tabellen | 2008 | ISBN: 978-3-7752-5929-3
Geb. | Preis: € 33.00


Ulf Wendler, Nicht nur Pest und Pocken
 

Band 127 (NEUERSCHEINUNG 2007)

ANDREA LILIENTHAL
Die Fürstin und die Macht
Welfische Herzoginnen im 16. Jahrhundert:
Elisabeth, Sidonia, Sophia

Andrea Lilienthal untersucht in ihrer Studie die Handlungsmöglichkeiten und das Machtpotential von Fürstinnen im 16. Jahrhundert. Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen die welfischen Herzoginnen Elisabeth, Sidonia und Sophia, die sich als vormundschaftliche Regentin, Gemahlin und Witwe in einer Vielzahl von Konfliktsituationen behaupteten.
Inwieweit Fürstinnen Macht ausüben konnten, war von verschiedenen Faktoren abhängig: Einerseits waren sie als Angehörige eines hohen Standes den meisten - auch den männlichen - Zeitgenossen übergeordnet. Aber wie war es um ihren Status innerhalb des Fürstenstandes bestellt? Kann man tatsächlich davon ausgehen, dass sie aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit wenig Chance auf Durchsetzung ihrer Interessen hatte? War die ökonomische und rechtliche Abhängigkeit von Vater oder Bruder ausschlaggebend oder lag mit der Möglichkeit, dynastischen Einfluss geltend zu machen, ein Pfund auf der Waage, das letztlich sogar noch schwerer wiegen mochte?
Dirk Riesener beschreibt die Geschichte der Polizeidirektion in fünf Epochen: Kaiserreich, Weimarer Republik, ‚Drittes Reich', Besatzungszeit und die frühe Bundesrepublik und setzt sie zum gesellschaftlich-politischen Umfeld in Beziehung.
Die Autorin fragt nach den Handlungsmöglichkeiten der Beteiligten in Konfliktfällen zwischen Ehegatten, Mutter und Sohn, Schwiegermutter und Schwiegertochter, Vettern, Geschwistern und innerhalb dynastischer Beziehungsnetze. Dabei stellt sie gängige Kategorisierungsmuster auf die Probe und gewinnt einen neuen Blick auf die Position der Fürstin.
"Die Fürstin" verfügte über ein eigenes Statuspotential und schöpfte Handlungsmöglichkeiten aus, die Frauen späterer Epochen verstellt waren.
Mit "Die Fürstin und die Macht" hat Andrea Lilienthal eine faszinierende Studie über Geschlechterbeziehungen im 16. Jahrhundert vorgelegt, die durch die Verbindung struktur- und handlungstheoretischer Perspektiven weit über die konkreten Fallstudien hinausweist.

310 S. | 11 einf. Abb. | 2007 | ISBN: 978-3-7752-5928-6
Geb. | Preis: € 33.00, für Vereinsmitglieder 23,10 €


ANDREA LILIENTHAL, Die Fürstin und die Macht
 

Band 126 (NEUERSCHEINUNG 2006)

DIRK RIESENER
Die Polizeidirektion Hannover. Gesellschaft, Industrie und Polizei vom Deutschen Reich bis zu Bundesrepublik Deutschland

Die Polizei ist, wie kaum eine andere Organisation, ein Spiegelbild staatlicher Machtausübung und gesellschaftlicher Prozesse. Während sie in einer Demokratie das staatliche Gewaltmonopol verkörpert und der Kontrolle durch Parlament und Justiz unterliegt, kann sie in einer Diktatur zum Macht- und Willkürinstrument werden. Gerade die jüngere deutsche Geschichte veranschaulicht in zum Teil bedrückender Weise, wie diese Rolle ausgestaltet, ja wie die Polizei missbraucht werden kann.
Dirk Riesener beschreibt die Geschichte der Polizeidirektion in fünf Epochen: Kaiserreich, Weimarer Republik, ‚Drittes Reich', Besatzungszeit und die frühe Bundesrepublik und setzt sie zum gesellschaftlich-politischen Umfeld in Beziehung.
Herausgekommen ist eine hervorragende Beschreibung der Entwicklung einer städtischen Polizei in verschiedenen Herrschaftssystemen, die auch den Durchsetzungsprozess des staatlichen Gewaltmonopols transparent macht. Mit dieser Studie wird auch die wissenschaftliche Erkenntnislage zur niedersächsischen Geschichte erweitert, die besonders Ende der 1940er Jahre im Bereich der Polizei und Verwaltung britischen Vorbildern folgte.

300 S. | zahlr. Abb. U. Tabellen | 2006 | ISBN: 10: 3-7752-5926-0 | ISBN 13: 978-3-7752-5926-2 |
Geb. | Preis: € 29.00


DIRK RIESENER, Die Polizeidirektion Hannover
 

Band 125 (NEUERSCHEINUNG 2005)

ANNE-KATHRIN REICH
Kleidung als Spiegel sozialer Differenzierung

Kleidung ist ein Spiegelbild gesellschaftlicher Wertvorstellungen. Sie dient als Zeichen für soziale Einordnung und Abgrenzung innerhalb einer Gesellschaft und ist damit ein wichtiges Kommunikationsmittel. Über Kleidung werden Aussagen getroffen hinsichtlich gesellschaftlicher Rollen- und Gruppenzuweisungen. In stark hierarchisch strukturierten Gesellschaften besitzt Kleidung eine bedeutende soziale Funktion und bietet dadurch ein in sich geschlossenes und interpretationsfähiges Zeichensystem. Etwa von der Mitte des 12. bis zur Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert versuchte die Obrigkeit in Europa mit Kleiderordnungen regulierend in das gesellschaftliche Sozialgefüge einzugreifen, um die spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Ständeordnung für die Öffentlichkeit festzuschreiben. Kleiderordnungen regeln den Aufwand an Kleidung, Material, Schmuck und Accessoires, der jedem Einzelnen zugestanden wurde. Im Rahmen der Aufwands- und Luxusordnungen, die zu der städtischen und territorialen Polizeigesetzgebung gehörten, bildeten Kleiderordnungen einen wichtigen Bestandteil der Gesetzgebung im Mittelalter und der Frühen Neuzeit. Im deutschsprachigen Raum traten die ersten städtischen Kleiderordnungen Anfang des 14. Jahrhunderts in Kraft.
Für die Altstadt Hannover sind etwa 30 Kleiderordnungen aus dem Zeitraum von 1312 bis 1671 erhalten. Damit besitzt Hannover die bisher älteste bekannte Kleiderordnung im deutschsprachigen Raum. Anhand des umfangreichen Quellenmaterials lassen sich soziale Entwicklungen beispielhaft für die Altstadt Hannover vom 14. bis zum 17. Jahrhundert aufzeigen.
Die Überlieferung der Kleiderordnungen macht deutlich, welche Auswirkungen sich ändernde Moralvorstellungen in Bezug auf Ehe und Familie sowie Ehre im täglichen Leben und machtpolitische Verschiebungen nach sich zogen. Soziale Positionierungen von Männern und Frauen sowie die Aspekte der Homogenisierung oder Hierarchisierung, Privilegierung oder Stigmatisierung und abgrenzende Effekte durch Kleiderordnungen werden beispielhaft an der Altstadt Hannover analysiert.

204 S. | 3 sw-Abb. u. 13 Tab. | 2005 | ISBN: 3-7753-5925-2
Geb. | Preis: € 25.00


A.-K. REICH - Kleidung als Spiegel sozialer Differenzierung